Das nächste Experiment für zeitgenössisches Musiktheater blubbert schon in den Reagenzgläsern von Opera Lab Berlin. Wir - ein Ensemble aus Sänger:innen, Instrumentalist:innen, Komponist:innen, Regiesseur:innen, Licht- und Sounddesigner:innen, Kostüm- und Bühnenbildner:innen, Tänzer:innen, Choreograph:innen, performance artists, Schauspieler:innen - vereinen alle Theaterhandwerke um eigenständige Unikate entstehen zu lassen. Immer auf der Suche nach neuen Narrativen, dazugehörenden Formaten und spannenden Spielstätten.



Was gezeigt wird, existiert. Was nicht gezeigt wird, verschwindet.
Im Jahr 1965, inmitten der Bürgerrechtsbewegung, rassistischer Konflikte und tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche in Amerika, nahm Steve Reich die Stimme des schwarzen Straßenpredigers Brother Walter auf, der verkündete: „It’s gonna rain.“ Eine Warnung vor einer Katastrophe wurde zu einer Schleife: wiederholt, fragmentiert und transformiert.
Sechzig Jahre später interpretiert das Opera Lab Berlin Reichs „It’s Gonna Rain“, „Come Out“ und „Piano Phase“ als neues Musik- und Tanztheaterstück neu. Durch Choreografie und Reichs radikale musikalische Experimente folgt das Stück den Mechanismen der Aufmerksamkeit selbst: wie Wiederholung Bedeutung schafft, wie Sichtbarkeit Macht schafft und wie das Zentrum existiert, weil wir es immer wieder betrachten.
Das Jahr 1965, die Gegenwart und eine ungewisse Zukunft prallen in einer Gesellschaft zusammen, die in einem permanenten Spektakel gefangen ist – einer Welt, in der Realität, Darstellung und Überwachung zunehmend verschmelzen. Bilder dokumentieren die Realität nicht einfach nur; sie konstruieren sie. Wiederholung erzeugt Wahrheit. Aufmerksamkeit wird zur Macht. Sichtbarkeit wird zur Währung.
Wer nimmt den Mittelpunkt ein? Wer wird gehört? Wer wird gesehen? Wer gehört dazu? Und wer darf die Realität konstruieren, die alle anderen sehen?
„It’s Gonna Rain“ fragt nicht, was passiert, wenn sich die Geschichte wiederholt, sondern was passiert, wenn sie nie aufgehört hat.
Performance: Astan Meyer, Francesca Verga, Omí , Evan Gardner
Musik: Steve Reich & Opera Lab Berlin
Musikalische Leitung: Youka Snell
Choreografie: Ruben Nsue
Stellvertretende Regie: Ben Goldby
Produktionsleitung: Christo Schleiff
Kostüm- & Bühnenbild: Ela Bahena
Video: Samuel Chalela
Poduktionsassistenz: Giuseppe Trovato & Ye Juntao